Reinhold Jürgensen
Morthorststraße 14 (Plan Nr.1)

   
Von Bert Biehl
 
   
Reinhold Gustav Jürgensen wurde am 18. März 1898 in Elmshorn geboren. Er erlernte das Elektrikerhandwerk und trat 1922 in die drei Jahre zuvor gegründete KPD ein. Ab 1924 war er Kreisdeputierter (bis 1926), Stadtverordneter (bis 1933) und Funktionär der KPD-Bezirksleitung “Wasserkante”.

Bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 wurde Jürgensen in den Reichstag gewählt. Er blieb weiterhin Elmshorner Stadtverordneter. Am 10. Dezember 1932 war seine Stimme ausschlaggebend für die Wahl des sozialdemokratischen Bürgermeisters Fritz Petersen. Zur Jahreswende 1932/33 begann Jürgensen mit dem Aufbau einer Untergrund-Organisation der KPD die zunehmenden Straßenkämpfe und die Hetze gegen die Partei hatten diesen Schritt nahegelegt.

Den Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 schoben die Nazis den Kommunisten in die Schuhe. Danach wurden Versammlungen und Publikationen der KPD verboten. Dennoch trat die KPD noch einmal zur Reichstagswahl am 5. März an. Durch die politischen Umstände erhielt sie diesmal weniger Mandate.
Auch Jürgensen schaffte den Einzug ins Parlament nicht mehr. Am 8. März wurden den KPD-Abgeordneten die Mandate per Notverordnung aberkannt. Bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 wurde Jürgensen abermals ins Kollegium gewählt. An der konstituierenden Sitzung am 31. März 1933 konnte er schon nicht mehr teilnehmen: Er war auf Veranlassung des kommissarischen Bürgermeisters Christian Spieler verhaftet und ins KZ Fuhlsbüttel gebracht worden.
Am 2. Juni wurde er wieder entlassen. Doch schon drei Wochen später, am 26. Juni, wurde Jürgensen erneut verhaftet. Bis zum 25. September war er als sogenannter  “Schutzhäftling” in den schleswig-holsteinischen KZs Glückstadt und Kuhlen bei Neumünster interniert.

Zwischen dem 13. und 19. Dezember 1934 verhaftete die Gestapo rund 330 Frauen und Männer in den Orten Elmshorn, Barmstedt, Pinneberg, Uetersen und Umgebung. Unter den Verhafteten war am 19. Dezember auch abermals Reinhold Jürgensen. Der Fang war der Gestapo offenbar so wichtig, dass sich deren für seine Brutalität berüchtigter Leiter Bruno Streckenbach selbst nach Elmshorn bemühte.

Über das Verhör schrieb die Publizistin Gertrud Meyer: “Im Beisein des Bürgermeisters von Elmshorn (Karl Krumbeck, NSDAP; d.A.) wurde er im dortigen Polizeigebäude von SS-Sturmbannführer Streckenbach und Kriminalkommissar Stawitzki vernommen. Anschließend kamen
 


Reinhold Jürgensen
 

 sämtliche Verhaftete nach Hamburg ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel. Am nächsten Morgen (dem 20. Dezember 1934, d. A.) war Reinhold Jürgensen tot.
Wie immer, wenn ein Häftling nachts erschlagen worden war, behauptete die Gestapo, er habe sich erhängt.” 1

Nach späterer Aussage des Zeugen Hermann Göck, der gemeinsam mit Jürgensen nach Fuhlsbüttel verschleppt wurde, hatten die Polizisten Jürgensen vor dem Abtransport noch aufgefordert, vor seinen Kameraden und den Nazis die “Internationale” zu singen. Jürgensen habe geantwortet: “Auf euren Befehl singe ich sie nicht.”Der Gefangene muss übel gefoltert worden sein. Seine Angehörigen durften die Leiche nicht sehen. Sie wurde auf Kosten der Hamburger Polizei in Elmshorn beerdigt. Reinhold Jürgensen hinterließ eine Frau und eine damals zwölfjährige Tochter.
1986 ehrte die Stadt Reinhold Jürgensen mit der Benennung des Platzes in einem Wohngebiet, in dem früher viele Anhänger der KPD wohnten.

Jürgensens Name steht zudem auf dem Gedenkstein vor dem Rathaus.

Als früherer Reichstagsabgeordneter hat er einen Eintrag im Ehrenbuch des Deutschen Bundestages.

Quellen:
1„Nacht über Hamburg, Bericht und Dokumente 1933-1945“, Gertrud Meyer, Frankfurt/M. 1971
“Die Freiheit lebt”; Bringmann/Diercks


Patin für Reinhold Jürgensen ist
die DKP Elmshorn

 



Die Familie Jürgensen in einer Aufnahme aus dem Jahr 1914. Hintere Reihe von Links: Julius, Reinhold, Elli. Vorne von links: Nikolaus, Mutter Margarethe Dorothea, Richard, Vater Hans Niklas. Ganz Rechts: Alfred.
Auch Nikolaus Jürgensen wurde von den Nazis verfolgt. Als KPD-Mitglied erhelt er im Offenborn-Prozess zwei Jahre und sechs Monate Zuchthaus.
 

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